Werknutzungsbewilligung fŸr das ArchitekturbŸro Markus Pernthaler
Bauherr ÖWGes
Bruttogeschossfläche ca. 14.700 m²
Baukosten € 27 Mio
Zeitraum 2003-2008
Adresse Marienplatz 1, 8020 Graz

 

Volumen und Zuschnitt des Baukörpers vervollständigen in einer abgerundeten Hakenform zwei spitzwinkelig aufeinander zulaufende Straßenzüge. Höhen und Fluchten sind in Konkordanz zu den umgebenden Altbauten modelliert. Die in den Straßenräumen sichtbare Fassade – zur gekurvten Nordwest-Ecke um eine Etage ansteigend – ist regelrecht in die Geometrie des Kontextes hineingeschmiegt. Ihr Gesicht hingegen, ihr konkret gestalteter Ausdruck, ist ein hermetischer Schleier, eine Maske, die nun formal, materiell und funktional dem Ort etwas sehr Fremdes entgegenhält. Es ist eine tagsüber milchig, nachts lavendelfarben schimmernde Verhüllung: hier schauen keine Fenster, Balkone oder Loggien in den Straßenraum hinaus; trotz der verteilten, schma­len Schlitze gibt es auch keinen Einblick von draußen. Es ist nicht mehr die offensiv schweigende, aller Form-Zitate entkleidete Wand-Loch-Kulisse, die etwa Loos in seinen Bauten als Mauer, als Bastion zwischen Öffentlichkeit und Privatheit aufrichtete; es ist auch nicht die funktionalistische Rhetorik der Modernisten, wo das Innere von Architektur sich unvermittelt außen darstellte, es ist auch nicht die (nur scheinbare) Neutralität homogener Curtainwalls.

Diese Membran hier aus Polycarbonat ist etwas anderes, ist eher ein Zelt oder ein Netz, das wie ein Kokon die dahinter liegenden Raum- und Gebäudeschichten gegen Schall und Sicht von der Stadtstraße abschirmt.

(Otto Kapfinger)

 

Geschichtlicher Exkurs: Marienmühle