08-neu
Bauherr Stmk. Landesregierung, Wartingergasse 43, 8010 Graz
Bebaute Fläche 3.860 m²
Nutzfläche 6.300 m²
Herstellungskosten € 14,5 Mio (ATS 200 Mio)
Zeitraum 1997-2001
Adresse Bad Gleichenberg 59, 8344 Bad Gleichenberg

 

Die Schule für Tourismusberufe artikuliert in ihrer räumlichen Anordnung die Entsprechung von Architektur und Topografie sowie die Beziehung des Neubaus zum Volumen des älte­ren Internatsgebäudes. Diesem vorgelagert, gleichsam in einer sensiblen Transformation des Geländeverlaufs, liegt in den Hang eingeschnitten ein zweigeschoßiger, bis zu 34 m tiefer Trakt mit Turnsaal und Lehrküchen. Darüber liegt ein großzügiger Platz, der vom Internat, dem neuen Klassentrakt sowie den kubischen Oberlichtkörpern der Lehrküchen gefasst wird. Der Haupteingang mit weit auskragendem Pultdach führt in eine dreigeschoßige Aula, der in einer flexiblen räumlichen Anordnung die Repräsentationsräume mit Demo-Küche, Servierräumen sowie Demo-Restaurant und Demo-Café zugeordnet sind. Auf der selben Ebene liegen die Verwaltung und die zum Gang hin offen gestalteten Arbeitsräume der Lehrer mit Bibliothek. Künstlerische Arbeiten von Peter Kogler und Michael Schuster schaffen in der Eingangszone, wo Schulbetrieb und schulexterne Nutzungen eine sinnfällige Verbindung eingehen sollen, ein besonderes Ambiente.

Die Materialität des Klassen- und Verwaltungstrakts zeigt, was im tiefer liegenden Sockelbauwerk weiter verstärkt wird, dass das Planungskonzept vor allem auf differenzierte Lichtqualitäten abzielt. Die Transparenz der ostorientierten Klassen im Obergeschoß sowie der Schauküchen zur Erschließung hin schafft unterschiedliche Zonen und Intensitäten natürlichen Lichts. Auch in den Nachmittagsstunden kann weitgehend auf künstliche Belichtung im Unterricht verzichtet werden.

Während im Klassen- und Verwaltungstrakt die Wechselbeziehung zwischen Lehrbetrieb und Öffentlichkeit intendiert ist, zeigt der nach Norden orientierte, tiefe Baukörper eine andere Haltung. Eine Stimmung von Intimität, Geschlossenheit und geradezu feierlichem Licht herrscht vor. Große Oberlichten, die flächenbündig in die Platzfläche bzw. das Turnsaaldach eingesetzt sind, bestimmen die Führung des natürlichen Lichts. Die im Norden angelagerten Lehrküchen erhalten teilweise ebenfalls dieses gleichmäßig gestreute, indirekte Oberlicht, in dem die Verkleidung der gangseitigen Wände mit feinmaschigem Stahlgewebe einen zarten Schimmer reflektieren. Im Bereich der Servierräume, dort, wo die Speisen von den Schülern selbst verkostet werden, kommt der Baukörper wieder über Geländeniveau zu liegen, und in den kleinen, eingeschnittenen Höfen ist von den Küchen aus ein direkter Zugang ins Freie möglich. Die bewusst introvertierte Geste der nach Norden geschlossenen Speiseräume geben zusammen mit der konsequent durchgehaltenen Lichtgestaltung den Arbeitsräumen einen Rahmen, der Ruhe und Konzentration vermittelt.

(Nikolaus Hellmayr)