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Bauherr Bundesgebäudeverwaltung II, Pappenheimgasse 12, 8010 Graz
Kubatur 86 m²
Bebaute Fläche 6,2 m²
Zeitraum 1999-2000
Adresse Truppenübungsplatz Seetaleralpe, 8750 Oberweg, Bezirk Judenburg

Der Glockenturm zeigt das morphologische Naheverhältnis zwischen Baum und Turm in der schlanken Form eines Zylinders aus Lärchenholzlamellen. Eine Primärkonstruktion aus Stahl trägt sowohl die Joche der drei übereinander angeordneten Glocken als auch die äußere Hülle des Turms. Die Form schließt nach oben mit einer als Wendelfläche aufgespannten Polyestermembran beziehungsweise einer rechteckigen, geätzten Glasscheibe mit Kreuzsymbol ab.

Um die scheinbar nahtlos um die Stahlstützen geflochtenen Latten aus Lärche herzustellen, war es notwendig, das Holz in einem einfachen, aber aufwendigen Verfahren vor Ort zu kochen, um ihm die Spannung zu nehmen und es beliebig formbar zu machen. Die einzelnen Lamellen wurden danach überplattet, verleimt und an den Stützen montiert.

Die Lattenstruktur verweist auf die Stimmung der Glocken – dis, gis und h – deren Frequenz in ein numerisches Äquivalent übersetzt an der Fassade dreidimensional sichtbar wird. Die Form der einfachen Helix, der sich nach oben gleichsam ohne eigentlichen Anfang und Endpunkt windenden Spirale entspricht dem Ausdruck ewigen Wachstums, von Geburt, Tod und Wiederkunft, eine primordiale Metapher der Transzendenz und Verbindung zwischen Erde und Himmel. Dem Eindruck der Entgrenzung, der in dieser Fassade angelegt ist, wird auch dadurch entsprochen, dass sich das Bauwerk in seiner Materialität und organischen Anmutung bruchlos in die Umgebung einfügt, während es in der Dämmerung und nachts wie ein Kristall aus ihr leuchtet.

(Nikolaus Hellmayr)